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Mitleidriese

Mitleidriese, der   –  Mächtige Institution oder Person, die paradoxerweise Mitleid für sich einfordert: strukturell schwach oder opferhaft, doch rhetorisch von imponierender Stärke.   Nicht zu verwechseln mit:  Gefühlszwerg , Moralriese . 

Währhaftigkeit

Währhaftigkeit , die; nur Sg. Die moralische Verpflichtung zur ungefähren Wahrheit im Dienst der guten Sache. Zeichnet sich dadurch aus, dass sie faktische Belege als entbehrlich betrachtet und stattdessen auf wehrhaftes Beharrungsvermögen setzt. Eine Behauptung gilt als währhaft, sobald sie hinreichend oft wiederholt wurde. Der Grad ihrer Währhaftigkeit steigt mit jeder weiteren Wiederholung.   Siehe auch:   Vermutungsjournalismus , Hämeneutik . Nicht zu verwechseln mit:  Wehrheftigkeit . 

Best of Q2 2026

Best of Q2 2026 81 Einträge, ein Vierteljahr, zwölf, die bleiben. Zwischen April und Juni wurde viel behauptet, umgedeutet, zusammengesetzt und wieder auseinandergenommen. Deutschland flog raus, Merkel bekam ein Porträt, das Netz einen Vorschlaghammer, und die Sprache — wie immer — den Rest ab. Hier die zwölf Texte aus dem zweiten Quartal, die den Claude -Filter überlebt haben. April — der Monat der stillen Klingen Hippe-Langstrom-Theorie   (9.4.) Die Energiewende im Verhör. Frage folgt auf Frage, bis die Antwort selbst zum Verdächtigen wird. Reforik   (10.4.) "Reforik ist die Kunst, Bewegung zu behaupten, ohne sich vom Fleck zu lösen." Ein Satz, der reicht. Wortspielflucht   (3.4.) Die Sucht schreibt über die Sucht. Selten so ehrlich unehrlich. Mai — der Monat der langen Ketten Bedingungsloses Grundverkommen   (27.5.) Wenn selbst der Verfall noch als Fortschritt beantragt wird. Hütchenspieler   (8.5.) Eine Wortspielkette, die sich im Kreis dreht — und dabei nie...

Sommernachtstrauma

Aus der Traum vom zweiten Sommermärchen. Wie in Shakespeares   Sommernachtstraum   begann alles mit großen Hoffnungen und wundersamen Verheißungen. Doch statt Elfenzauber gab es Fehlpässe, statt eines Happy Ends ein Elfmeterschießen – und am Morgen danach erwachte ganz Fußball-Deutschland nicht aus einem Traum, sondern in einem Sommernachtstrauma. Der Zauber war schneller verflogen als die Titelträume, und übrig blieb nur die Erkenntnis: Wenn wir Schatten euch beleidigt, denkt nur dies – und schlecht verteidigt sind wir dann. Ihr alle schier habet nur geschlummert hier und geschaut in Nachtgesichten eures Bundestrainers Dichten.    Tah, Tah!  

Meinungsfrechheit

Wenn  Meinungsfreiheit  das  Recht  ist, etwas zu sagen, dann ist  Meinungsfrechheit  die  Chuzpe , es auch tatsächlich und ohne Rücksicht auf Konventionen zu tun. Meinungsfrechheit , die Substantiv, feminin, oft mit erhobenem Zeigefinger und leichtem Kopfschütteln gebraucht. Die besonders verwerfliche Form der Meinungsäußerung, bei der jemand seine Ansicht nicht nur hat, sondern diese auch noch  ohne vorherige Trigger-Warnung , Diversity-Check oder Genehmigung des zuständigen Social-Media-Komitees kundtut. Beispiel:  „Als er sagte, dass 2+2=4 sei, ohne die intersektionale Perspektive der Mathematik zu berücksichtigen, handelte es sich um einen klaren Fall von Meinungsfrechheit.“ Schweres gesellschaftliches Vergehen , das irgendwo zwischen „unangemessen“ und „Gefahr für die Demokratie“ angesiedelt ist. Wird meist von Leuten diagnostiziert, deren eigene Meinung gerade die Mehrheitsmeinung darstellt. Synonyme : Unerwünschter Klartext, Verbale N...

Halbzeitstimmung

Halbzeitstimmung, die (f.) Definition:  Ein Zustand kollektiver, emotionaler Schwerelosigkeit. Tritt ein, wenn das Schlimmste (das traditionelle Vorrundenaus wie 2018 und 2022) erfolgreich abgewendet wurde, die finale Katastrophe (das bittere Ausscheiden gegen einen Favoriten im Achtel- oder Viertelfinale) aber noch bevorsteht. Atmosphärisches Phänomen:  Gekennzeichnet durch die Unfähigkeit, sich zwischen Zweckoptimismus („Diesmal schaffen wir es!“) und historisch gewachsener Skepsis („Gegen Paraguay wird's wieder hakelig“) zu entscheiden. Siehe auch: Endzeitstimmung . Halbzeitstimmung  (Substantiv, f.): Das kollektive deutsche Gefühl, wenn die Nationalmannschaft ein WM-Spiel gewonnen hat, aber niemand so recht weiß, wie. Die Gewissheit, dass es besser laufen müsste – gepaart mit der vagen Hoffnung, dass es ja noch besser werden  könnte . Der Moment, in dem man sich über den Gruppensieg freut, aber gleichzeitig weiß, dass der wahre Prüfstein (Frankreich) erst noch ko...