Versehen

Versehen, das
n. Das rituelle Verfolgen von Nachrichten im deutschen Fernsehen; eine Form der passiven Hingabe, bei der der Zuschauer sich nicht aktiv informiert, sondern sich informieren lässt – bis er sich schließlich nur noch „versehen“ hat.

Etymologie: Ver- (Verstärkung, auch: „verkehrt“) + sehen → das gezielte Sich-Versehen-Lassen mit der offiziellen Sicht.
Synonyme:
  • 20-Uhr-Beichte 
  • Tagesschau-Taufe 
  • Staatsgläubigkeit im Sitzen 
  • Narrativ-Narkose
Gebrauch:
  • „Ich habe mich heute wieder gründlich versehen – jetzt bin ich wieder auf Linie.“ 
  • „Ohne tägliches Versehen fühlt man sich ja fast schuldig.“
Nebenwirkung: Leichte bis schwere Realitätsverträglichkeit, gefolgt von reflexhaftem „Das haben wir doch immer schon gesagt“.

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