Vermögen
- 1Vermögen, das
- Fähigkeit zur Leistung auf einem bestimmten Gebiet, Können
2Vermögen, das
- (meist großer) Besitz an Eigentum, besonders an Geld, aber auch an Sachwerten
- a) eine große Summe Geld
- b) eine sehr große Menge von etw.
Unvermögen, das
GrammatikSubstantiv (Neutrum) · Genitiv Singular: Unvermögens · wird nur im Singular verwendetAusspracheWorttrennung Un-ver-mö-genWortbildung mit ›Unvermögen‹ als Erstglied: UnvermögensfallBedeutungsübersicht
vermögen
GrammatikVerb · vermag, vermochte, hat vermochtAusspracheWorttrennung ver-mö-genWortbildung mit ›vermögen‹ als Erstglied: vermögend · mit ›vermögen‹ als Binnenglied: unvermögend · vielvermögend / viel vermögend · mit ›vermögen‹ als Grundform: 1VermögenBedeutungsübersicht
- [gehoben] etw. können
- a) ⟨vermögen + zu + Infinitiv⟩ imstande, in der Lage sein, etw. zu tun
- b) ⟨vermögen + Akkusativobjekt⟩ etw. zustande bringen, fertigbringen
- c) [veraltend] ⟨es über sich vermögen, etw. zu tun⟩ es fertigbringen, sich entschließen, etw. zu tun
______________________________________________________________________________- Fragen:
- Was zählt in unserer Gesellschaft als „Vermögen“?
- Wie hängen Reichtum und Handlungsfähigkeit zusammen?
- Und muss eine Theorie der Gerechtigkeit den real existierenden Neid miteinbeziehen?
- Antworten (von DeepSeek):
- Diese zentralen Fragen verbinden Philosophie mit soziologischer Realität.
- "Vermögen" umfasst weit mehr als nur Geld, und Reichtum übersetzt sich direkt in reale Handlungsmacht.
- Die Frage, ob Gerechtigkeitstheorien Neid einbeziehen müssen, bleibt dabei eine der tiefsten Spannungen.
🧐 Was zählt als "Vermögen"?
In der Soziologie wird Reichtum nicht nur monetär, sondern als multidimensionales Kapital verstanden.. Dieses ermöglicht oder verhindert gesellschaftliche Teilhabe. Die folgende Tabelle fasst die zentralen Dimensionen zusammen:
Historisch war Vermögen schon im Mittelalter das entscheidende Lagemerkmal für Zugang zu politischer Macht und sozialer Ehre.. Heute konzentriert sich ein Großteil des Nettovermögens (in Deutschland etwa zwei Drittel) bei den obersten 10 Prozent der Bevölkerung..
⚙️ Reichtum und Handlungsfähigkeit
Reichtum ist konzentrierte Handlungsfähigkeit. Er erlaubt nicht nur Konsum, sondern:
Gestaltung des eigenen Lebensumfelds: Von der Wahl des Wohnortes bis zur Art der Ausbildung für die Kinder.
Einflussnahme auf die Gesellschaft: Durch politische Spenden, Stiftungen (Philanthropie), Medienbeteiligungen oder als großer Arbeitgeber..
Absicherung gegen Risiken: Finanzielle Reserven ermöglichen es, Krisen (Jobverlust, Krankheit) ohne existenzielle Abstürze zu überstehen und Risiken einzugehen.
Reproduktion über Generationen: Vermögen wird vererbt und sichert so der nächsten Generation bereits von Geburt an Vorteile (z.B. durch teure Bildung, Startkapital). Besonders große Vermögen werden oft in Familien dynastisch weitergegeben und erhalten.
Umgekehrt schränkt fehlendes Vermögen die Handlungsfähigkeit massiv ein und macht Lebenswege "brüchig", selbst bei hoher formaler Bildung..
⚖️ Gerechtigkeit und das "Problem" des Neids
John Rawls' einflussreichste Theorie der Gerechtigkeit ("A Theory of Justice") versucht, Neid systematisch auszuklammern.. Seine Argumentation und eine zentrale Kritik daran sind hier zusammengefasst:
Rawls' Ansatz: Der "Schleier des Unwissens"
Ausgangspunkt: In einem fiktiven Urzustand ("original position") hinter einem "Schleier des Unwissens" ("veil of ignorance") wissen die Menschen nicht, welche soziale Stellung, Talente oder Vermögen sie in der Gesellschaft haben werden.
Rationale Entscheidung: Da sie von Neid frei sind, streben sie nach dem höchsten absoluten Niveau an Grundgütern (wie Freiheiten, Einkommen).
Ergebnis: Sie wählen zwei Gerechtigkeitsgrundsätze, die Ungleichheiten nur dann erlauben, wenn sie den am wenigsten Begünstigten den größtmöglichen Vorteil bringen("Differenzprinzip").
Prämisse: Eine nach diesen Prinzipien gestaltete gerechte Gesellschaft wird die Bedingungen, die zu zerstörerischen Gefühlen wie Neid führen, von vornherein ausschließen oder minimieren.
Fundamentale Kritik: Der ausgeschlossene Neid kehrt zurück
Der Philosoph Jean-Pierre Dupuy argumentiert, dass Rawls' Theorie sich hier einer "Selbstdekonstruktion" unterzieht. Die Kritik lautet:
Neid ist konstitutiv: Indem Rawls den Neid explizit aus seinem idealen Modell ausschließt, gesteht er implizit ein, dass er eine reale und bedrohliche Kraft für den sozialen Zusammenhalt ist..
Ein reales Problem: Eine Theorie, die beansprucht, reale Gesellschaften anzuleiten, darf ein so grundlegend menschliches und gesellschaftlich wirksames Gefühl wie Neid nicht ignorieren. Der Verweis auf die Blog-Zeile "Wir müssen die Gerechtigkeit um den Neid herumbauen" trifft genau diesen Punkt.
💎 Fazit
Vermögen ist mehrdimensional und umfasst ökonomische, kulturelle, soziale und symbolische Ressourcen, die zusammen reale Handlungsmacht (oder deren Fehlen) konstituieren.
Diese Macht ermöglicht es, das eigene Leben und die Gesellschaft zu gestalten, während ihr Fehlen Menschen trotz Bemühungen in prekären Lagen halten kann.
Die philosophische Spannung bleibt: Sollte eine Theorie der Gerechtigkeit wie bei Rawls auf einem idealisierten, neidfreien Menschenbild aufbauen, oder muss sie, um praktisch haltbar zu sein, den real existierenden Neid als zu gestaltende gesellschaftliche Tatsache anerkennen und "drumherumbauen"?

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