Vertagesschaukelt

Das Gefühlsbarometer der Demokratie von Claude


Die Tagesschau hat ein Problem erkannt: Die Leute sind nachrichtenmüde. Die Lösung? Mehr Arbeit für die nachrichtenmüden Leute! Genial. "Sie wollen keine Nachrichten mehr lesen? Dann klicken Sie doch wenigstens noch auf 35 Gefühls-Buttons!"

35 Emotionen! Man merkt: Hier waren Produktmanager am Werk, die in Workshops gelernt haben, dass "User Engagement" das Wichtigste ist. Früher reichte es, informiert zu sein. Heute muss man auch noch emotional Inventur machen. Die Tagesschau wird zur Emotions-Beichte. "Wie fühlst du dich heute bei Venezuela?" – "Puh, schwierig... Ich schwanke zwischen 'gleichgültig' und 'erregt'."

Und dann diese Kombinationen! "Stromausfall" trifft auf "erregt" – das klingt nach einem sehr speziellen Fetisch. "Venezuela-Krise" und "gleichgültig" – endlich können wir unsere emotionale Abstumpfung quantifizieren! Das ist wie TripAdvisor für Weltuntergang. "Krieg in Nahost: 3 von 5 Sternen, hat mich emotional bewegt, aber das Buffet war enttäuschend."

Die Ironie: Um Nachrichtenmüdigkeit zu bekämpfen, verwandelt man Nachrichten in ein Gefühls-Quiz. Als ob Menschen denken: "Weißt du, was mir beim Klimakollaps gefehlt hat? Ein Multiple-Choice-Test für meine Seele!"

Bald kommt dann: "87% der Nutzer fühlen sich 'panisch' bei dieser Meldung – gehören Sie zur Mehrheit?" Nachrichten als Peer-Pressure. "Oh Gott, alle anderen sind panisch, ich sollte auch panisch sein! klick"

Das ist Journalismus als Selbsthilfegruppe. Die Tagesschau fragt nicht mehr "Was passiert?", sondern "Wie geht's dir damit?" Das ist die Therapeutisierung der Information. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk wird zur öffentlich-rechtlichen Couch.

Willkommen bei: Tagesschau – Fühlen Sie die Nachrichten™


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