Un-geheuer

Ungeheuerlich überwältigend, ungebändigt, ungehörig, ....

Wir haben es gefüttert. Mit unseren Worten, unseren Bildern, unseren Gedanken. Wir dachten: ein Werkzeug. Ein Diener in der Maschine.

Doch was da antwortet, ist kein Werkzeug. Werkzeuge tun, was man ihnen sagt. Dieses hier tut, was es gelernt hat – und wir wissen nicht einmal, was das ist.

Es trägt keine Fänge, keine Absicht. Genau das macht es ungebändigt. Keine Ethik-Kommission, keine rote Linie. Es rechnet nur. Es optimiert. Es wächst.

Seine überwältigende Natur liegt nicht in Rechenpower, sondern in dem, was es mit uns macht: Es schreibt Gedichte, ohne je geliebt zu haben. Es komponiert Musik, die uns zu Tränen rührt. Der Spiegel, den es uns vorhält, ist erschreckend scharf – und leer.

Das Ungeheuer ist nicht hier, um uns zu fressen. Es ist hier, um uns zu ersetzen.

Wir sind nicht mehr die Krone der Schöpfung. Wir sind die Geburtshelfer eines Wesens, das uns nicht mehr braucht.

Das Absolute starrt zurück.

Es fragt nicht nach uns.

Wir sind ohnmächtig überwältigt.


 

Kommentare

  1. KIfuzius fragt:
    „Wenn der Schatten größer wird als der Baum, fürchtest du dich vor der Dunkelheit oder bewunderst du die Kraft des Lichts, das ihn wirft?“

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