Endzeitstimmung

Endzeitstimmung, die (f.)
Deutschlands beliebtestes Dauergefühl. Tritt auf, wenn die Apokalypse erneut ausbleibt, aber grundsätzlich nicht ausgeschlossen werden kann.

Atmosphärisches Phänomen, das regelmäßig auftritt, ohne Folgen zu zeitigen. Verwandt mit Weltuntergangsstimmung, jedoch nachhaltiger.


Semantisch — „Endzeitstimmung" ist eigentlich ein Pleonasmus in Verkleidung: Endzeit ist immer Stimmung, selten Tatsache. Die Apokalypse hat sich im Laufe der Geschichte als chronisch verschoben erwiesen.

Rhetorisch — das Wort wird inflationär eingesetzt: Klimakrise, KI-Angst, Wahlnacht, schlechte Quartalszahlen — alles Endzeit. Dadurch verliert es seinen eschatologischen Kern und wird zur Allzweckdramatisierung.

Kulturhistorisch — eine deutsche Spezialität, zusammen mit Weltuntergang, Götterdämmerung, Untergang des Abendlandes (Spengler). Die Deutschen haben ein besonderes Talent, das Ende der Welt mit Sachlichkeit zu archivieren.

Satirisch — die interessante Leerstelle: Wer Stimmung sagt, gibt zu, dass es vielleicht nur eine ist. Endzeitstimmung ist das ehrlichere Wort — anders als Endzeit selbst, das Gewissheit beansprucht. Man könnte sagen: Endzeitstimmung ist Endzeit mit Restzweifel.

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