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Drucksteif

Drucksteif , adj. [ˈdʁʊkʃtaɪf̯] Etymologie:  Kreuzung aus  druckreif  (fehlerfrei formuliert, sofort zitierfähig) und  steif  (unbeweglich, erstarrt) — sprachlich ein Betriebsunfall, sachlich eine Beobachtung. Bedeutung:  Zustand eines Sprechers, dessen Sätze zwar keiner Korrektur mehr bedürfen, aber auch keiner Regung. Der Drucksteife hat die Antwort nicht gefunden, sondern einlaminiert. Jede Pressekonferenz, jedes Interview, jede Talkshow-Runde bestätigt: unter Druck steif zu werden ist keine Schwäche mehr, sondern Ausbildungsziel. Abzugrenzen von:  Lampenfieber (das vergeht), Schlagfertigkeit (die reagiert), Ehrlichkeit (die riskiert). Der Drucksteife riskiert nichts — er hat den Satz schon vor der Frage fertig gehabt. Beispiel:  „Der Minister blieb auf jede Nachfrage drucksteif" — heißt: er hat geantwortet, ohne zu antworten, und alle Anwesenden konnten es sich notieren, ohne etwas zu erfahren. Merksatz:  Wer druckreif spricht, hat nachge...

Unterstürzerbrief

Untersetzerbrief Unterschätzerbrief Unterstützerbrief  Unterstürzerbrief Überstürzerbrief Übersetzerbrief Überschätzerbrief

Freigeistlich

freigeistlich , adj. — die Lehre betreffend, dass man frei denken darf, solange man sich dabei an die richtigen Gedanken hält. freigeistig , adj. — frei im Geiste; insbesondere frei genug, auch freigeistliche Lehren zu hinterfragen. Siehe auch:   zeitgeistlich .

Alleinstellungsmerkmal

Alleinstellungsmerkmal , das (ursprünglich: Marketingbegriff für das, was ein Produkt von der Konkurrenz unterscheidet) —  hier: das Merkmal, eine Stellung grundsätzlich allein zu halten , mangels Nachfrage auf dem freien Markt. Nicht zu verwechseln mit der werbewirksamen Bedeutung, obwohl beide auf dasselbe Verkaufsargument hinauslaufen:  Einzigartigkeit . Man hat, was sonst keiner will. In diesem Fall: das Bett für sich. Siehe auch:  Ladenhüter.

Schläferstündchen

Der Reiz der einsamen Schläferstündchen „Männer und Frauen schlafen ohne einander wesentlich besser“, sagt der österreichische Schlafforscher John Dittami und rät: Paare sollten in getrennten Betten ruhen .     Quelle:   Abendzeitung | 29. Februar 2008 - 20:48 Uhr           Schläferstündchen, das   —  die neue, unromantische, aber schlafmedizinisch korrekte Variante des Schäferstündchens: Zärtlichkeit wird durch getrennte Bettdecken ersetzt, Nähe durch Nachtruhe. Man liebt sich noch, man schläft sich nur nicht mehr gegenseitig kaputt.  Siehe auch: Fernbeziehung, nur mit kürzerem Anfahrtsweg.

Solotār

Solotār - Der Einzelgänger , der sich selbst bestätigt beglaubigt.   Anmerkung:  Das ā verleiht dem Wort jene Tiefe, die ihm der Alltag verweigert.  

Verwahllost

verwahllost , adj. —  Zustand einer Politik, die die Interessen der verlorenen Wähler so lange vernachlässigt hat, bis diese die Alternative wählen.

Epigonetik

Epigonetik , die; – die Wissenschaft von der Vererbung des Nachahmens Nachnamens.   #Epigonetik Epigonetik, die; – die Wissenschaft von der Vererbung des Nachahmens, pardon, Nachnamens. — Julian Goldstahl ack/me (@JulianGoldstahl) September 1, 2026

Selbstopiumierung

Selbstopiumierung , die; -en Selbstoptimierung im Endstadium, bei der das Optimieren selbst zur Droge geworden ist. Frühsport, Tracking, Journaling: Man optimiert sich, um die Frage nicht stellen zu müssen,   wofür man sich eigentlich optimiert.

Protesteron

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Protesteron Substantiv, Neutrum In der Menopause auftretendes, bislang nicht wissenschaftlich nachgewiesenes Hormon, das bei sinkendem Progesteronspiegel kompensatorisch freigesetzt wird und eine erhöhte Neigung zu Widerspruch, Aufbegehren und unverblümter Meinungsäußerung bewirkt. Symptomatik:  ausgeprägte Protestbereitschaft, sinkende Toleranzschwelle und zunehmende Unlust, sich mit Dingen abzufinden, die man früher hingenommen hat. 

Idiokratisierung

Idiokratisierung , die  (Neologismus, aus "Idiotie" + "-kratisierung" nach "Demokratisierung") Der schleichende Prozess, in dem eine Gesellschaft nicht regiert, sondern zunehmend  repräsentiert  wird – und zwar von ihrem intellektuellen Bodensatz. Nicht zu verwechseln mit Dummheit an sich, die es immer gab; Idiokratisierung bezeichnet vielmehr deren  Institutionalisierung : Unfähigkeit wird nicht mehr trotz, sondern wegen ihrer selbst in Ämter gewählt, weil sie sich als "moralisch überlegen " ,  " bodenständig", "unverstellt" oder "authentisch" verkauft. Symptom:  Wer noch differenziert, gilt als abgehoben. Wer simplifiziert, gilt als nahbar. Endstadium:  Komplexität wird nicht mehr widerlegt, sondern schlicht nicht mehr verstanden – und das Nichtverstehen selbst zur Tugend erklärt. Siehe auch:   Gesellschafts- oder  Kollektivverblödung, Kakistokratisierung , Crocsokratie , Dunning-Kruger-Demokratie (i.E.) Nicht zu v...

Mitleidriese

Mitleidriese, der   –  Mächtige Institution oder Person, die paradoxerweise Mitleid für sich einfordert: strukturell schwach oder opferhaft, doch rhetorisch von imponierender Stärke.   Nicht zu verwechseln mit:  Gefühlszwerg , Moralriese . 

Währhaftigkeit

Währhaftigkeit , die; nur Sg. Die moralische Verpflichtung zur ungefähren Wahrheit im Dienst der guten Sache. Zeichnet sich dadurch aus, dass sie faktische Belege als entbehrlich betrachtet und stattdessen auf wehrhaftes Beharrungsvermögen setzt. Eine Behauptung gilt als währhaft, sobald sie hinreichend oft wiederholt wurde. Der Grad ihrer Währhaftigkeit steigt mit jeder weiteren Wiederholung.   Siehe auch:   Vermutungsjournalismus , Hämeneutik . Nicht zu verwechseln mit:  Wehrheftigkeit . 

Best of Q2 2026

Best of Q2 2026 81 Einträge, ein Vierteljahr, zwölf, die bleiben. Zwischen April und Juni wurde viel behauptet, umgedeutet, zusammengesetzt und wieder auseinandergenommen. Deutschland flog raus, Merkel bekam ein Porträt, das Netz einen Vorschlaghammer, und die Sprache — wie immer — den Rest ab. Hier die zwölf Texte aus dem zweiten Quartal, die den Claude -Filter überlebt haben. April — der Monat der stillen Klingen Hippe-Langstrom-Theorie   (9.4.) Die Energiewende im Verhör. Frage folgt auf Frage, bis die Antwort selbst zum Verdächtigen wird. Reforik   (10.4.) "Reforik ist die Kunst, Bewegung zu behaupten, ohne sich vom Fleck zu lösen." Ein Satz, der reicht. Wortspielflucht   (3.4.) Die Sucht schreibt über die Sucht. Selten so ehrlich unehrlich. Mai — der Monat der langen Ketten Bedingungsloses Grundverkommen   (27.5.) Wenn selbst der Verfall noch als Fortschritt beantragt wird. Hütchenspieler   (8.5.) Eine Wortspielkette, die sich im Kreis dreht — und dabei nie...

Sommernachtstrauma

Aus der Traum vom zweiten Sommermärchen. Wie in Shakespeares   Sommernachtstraum   begann alles mit großen Hoffnungen und wundersamen Verheißungen. Doch statt Elfenzauber gab es Fehlpässe, statt eines Happy Ends ein Elfmeterschießen – und am Morgen danach erwachte ganz Fußball-Deutschland nicht aus einem Traum, sondern in einem Sommernachtstrauma. Der Zauber war schneller verflogen als die Titelträume, und übrig blieb nur die Erkenntnis: Wenn wir Schatten euch beleidigt, denkt nur dies – und schlecht verteidigt sind wir dann. Ihr alle schier habet nur geschlummert hier und geschaut in Nachtgesichten eures Bundestrainers Dichten.    Tah, Tah!  

Meinungsfrechheit

Wenn  Meinungsfreiheit  das  Recht  ist, etwas zu sagen, dann ist  Meinungsfrechheit  die  Chuzpe , es auch tatsächlich und ohne Rücksicht auf Konventionen zu tun. Meinungsfrechheit , die Substantiv, feminin, oft mit erhobenem Zeigefinger und leichtem Kopfschütteln gebraucht. Die besonders verwerfliche Form der Meinungsäußerung, bei der jemand seine Ansicht nicht nur hat, sondern diese auch noch  ohne vorherige Trigger-Warnung , Diversity-Check oder Genehmigung des zuständigen Social-Media-Komitees kundtut. Beispiel:  „Als er sagte, dass 2+2=4 sei, ohne die intersektionale Perspektive der Mathematik zu berücksichtigen, handelte es sich um einen klaren Fall von Meinungsfrechheit.“ Schweres gesellschaftliches Vergehen , das irgendwo zwischen „unangemessen“ und „Gefahr für die Demokratie“ angesiedelt ist. Wird meist von Leuten diagnostiziert, deren eigene Meinung gerade die Mehrheitsmeinung darstellt. Synonyme : Unerwünschter Klartext, Verbale N...